In der EQUUS ARABIAN 1/2026 wurde ein Beitrag veröffentlicht, der die Situation der Zuchtverbände für die Arabischen Rassen kritisch bewertet und Vergleiche – insbesondere mit dem Islandpferdebereich – zieht. Als Vorstand möchten wir hierzu Stellung nehmen und einige Aspekte einordnen.
Der zitierte Bericht greift Entwicklungen auf, deren Ursprung teilweise bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren liegt. Er bildet jedoch nicht den aktuellen Stand der Verbandsarbeit und der strategischen Ausrichtung ab. In den vergangenen Jahren wurden bewusst und gezielt Maßnahmen ergriffen, um die Araber-Zucht nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Dazu gehören eine verstärkte Messe- und Öffentlichkeitsarbeit, in der das arabische Pferd als Familien-, Freizeit- und Sportpferd vorgestellt wird, die Erweiterung des Turnierstandorts Aachen um ECAHO-Klassen, die dem Arabischen Vollblut gezielt zugutekommen, sowie die systematische Aufarbeitung und Sicherung der europäischen Stuten- und Hengstlinien. Mit dem Beginn der Einführung des modernen SNP-Verfahrens wurde zudem ein wichtiger Schritt zur genetischen Absicherung und zum langfristigen Erhalt der Biodiversität vollzogen.
Darüber hinaus wurde die Sport- und Kursförderung für unsere Mitglieder eingeführt und ausgebaut. Ziel ist es, Ausbildung, Nutzung und Leistungsorientierung wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken und praktische Anreize für die aktive Arbeit mit unseren Pferden zu schaffen. Gerade vor dem Hintergrund, dass seit den 1990er-Jahren im Bereich des Arabischen Vollbluts kaum noch systematisch Leistungsanforderungen gestellt wurden, ist dies ein wichtiger Baustein für die zukünftige Ausrichtung.
Der häufig herangezogene Vergleich mit dem IPZV greift aus unserer Sicht zu kurz. Es handelt sich dort nicht um einen klassischen Zuchtverband, sondern primär um eine Interessenvertretung mit einer großen, geschlossenen Freizeitreiterbasis. Die strukturellen Voraussetzungen sind daher nicht unmittelbar vergleichbar. Zudem unterliegt die Araberzucht seit Jahrzehnten tiefgreifenden Markt- und Strukturveränderungen. Der deutsche Markt für Showpferde ist deutlich zurückgegangen, während über viele Jahre vor allem für internationale, insbesondere showorientierte Märkte gezüchtet wurde. Der heimische Markt wurde dadurch nur eingeschränkt bedient. Hinzu kommen steigende Lebenshaltungs- und Betriebskosten, gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie eine zunehmende Überalterung der Züchterschaft. Diese Faktoren wirken komplex zusammen und lassen sich nicht auf einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge reduzieren.
Ein Verband ist kein Dienstleistungsunternehmen, sondern eine Gemeinschaft. Sichtbarkeit, Veranstaltungen, Leistungsanforderungen und züchterische Weiterentwicklung entstehen nicht von selbst und können auch nicht allein vom Vorstand „geliefert“ werden. Sie sind das Ergebnis aktiver Beteiligung, persönlicher Initiative und gemeinsamer Verantwortung.
Der Vorstand stellt Strukturen, Impulse und Rahmenbedingungen bereit – deren Wirkung entfaltet sich jedoch nur, wenn sie von den Mitgliedern genutzt und mitgetragen werden. Nachhaltige Entwicklung setzt Engagement voraus. Wer Veränderung wünscht, muss bereit sein, sich einzubringen.
Die Zukunft unserer Zucht entscheidet sich nicht in Kommentaren, sondern im konkreten Handeln.
Der Vorstand
