Danstedt-Titel

Tierschutzfall Danstedt:

Vernachlässigte Araber suchen ein neues Zuhause

 .22.12.2014 | S.Koller/M.Burger.

24 Pferde aus schlechter Haltung hat die Staatsanwaltschaft einem ehemaligen Araberzüchter weggenommen. Jetzt werden neue Plätze für die misshandelten Tiere gesucht.

Zwei Jahre hat das Verfahren gedauert: Jetzt ist das Urteil gegen einen Pferdehalter und ehemaligen Züchter von Vollblutarabern und Shagya-Arabern aus Sachsen-Anhalt rechtskräftig. Die 24 Pferde, die im November 2012 in einer aufsehenerregenden Aktion von der Polizei und der Staatsanwaltschaft in größtenteils erbarmungswürdigem Zustand aus einem heruntergekommenen Stall herausgeholt und an Pferdefreunde in ganz Deutschland zur Pflege geben wurden, suchen jetzt dauerhaft eine neue Bleibe. Etliche von ihnen sind Gnadenbrotpferde, etliche sind jung und als Reitpferde sicher gut einsetzbar. Alle sind dank des Einsatzes der Pflegestellen inzwischen wieder in gutem Zustand.

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Zum Teil waren die Tiere bis auf die Knochen abgemagert

Damit die unendliche Leidensgeschichte dieser Pferde nun dauerhaft ein gutes Ende nimmt, werden Pferdefreunde gesucht, die bereit sind, eines oder mehrere der Pferde in ihre Obhut zu nehmen. Nachdem die Tiere inzwischen Eigentum des Landes Sachsen-Anhalt geworden sind, müssen alle Verhandlungen mit der Behörde geführt werden. Als Kaufpreis steht mindestens der Schlachtpreis zur Debatte, der zur wenigstens teilweisen  Deckung der immensen Verfahrenskosten dienen soll.

Bei den Tieren handelt es sich um 15 Stuten, einen Wallach, sechs Hengste und zwei Hengstfohlen, beziehungsweise Jährlinge. Einige haben bereits neue Besitzer gefunden, die sie dauerhaft behalten werden. Für keines der Tiere sind Papiere vorhanden. Einige sind aber eindeutig identifiziert als Vollblut- bzw. Shagya-Araber. Für diese könnten Ersatzpapiere beantragt werden. Vor allem bei den jüngeren Pferden, die nie gemustert wurden, wird eine Ausstellung von vollen Abstammungspapieren aber nicht möglich sein.

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Die Hufe der beschlagnahmten Tiere waren in einem miserablen Zustand

Wer eines oder mehrere dieser Pferde übernimmt, muss sich im Klaren sein, dass er dies aus Tierschutzgründen und Liebhaberei tut. Für die Zucht ist keines der Pferde geeignet. Diejenigen, die Abstammungspapiere bekommen können, sind meist schon alt. Bei den jüngeren Tieren ist die Abstammung wohl kaum mehr sicher festzustellen.

Nach all dem Leid, das sie erdulden mussten, haben diese Pferde für ihr weiteres Leben oder auch ihre letzten Jahre einen guten Platz verdient. Wenn Sie mithelfen möchten und einem der Tiere aus diesem Tierschutzfall ein neues und endgültiges Zuhause bieten wollen, wenden Sie sich bitte an:

Melitta Burger
E-Mail: post@melitta-burger.de
Frau Burger wird dann den Kontakt zur Staatsanwaltschaft herstellen, die jetzt die Pferde zu „verwerten“ hat.

Bei den Tieren, die eine neue Heimat brauchen, handelt es sich im Einzelnen um:

Athletica
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Etwa zwölf Jahre alt, Stute, braun. Sie wurde im Zustand einer bereits fortgeschrittenen Muskelathropie und mit überlangen Hufen, aber mit einem Fohlen bei Fuß ihrer Pflegestelle übergeben. Der Gutachter hatte bei der Sicherstellung Anzeichen von Hufrehe festgestellt. „Das Pferd machte den Eindruck eines hochgradig erkrankten Tieres“, steht im Gutachten, das am Tag der Sicherstellung erstellt wurde. Heute ist Athletica über den Berg, wenn sie auch ein Sorgenkind geblieben ist. Allerdings eines, das sehr liebenswerte Eigenschaften besitzt und das es verdient hat, zu leben und behütet zu werden.

Athlet
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Der braune Jährlingshengst ist das Fohlen, das Athletica trotz ihres schlimmen Zustands am Leben gehalten hat. Den Mangel hat der kleine Hengst nun hinter sich, auch wenn er sicher nicht der Größte werden wird. Das Tier ist gesund und hat keine Einschränkungen.

Tequila
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Die Fuchsstute dürfte etwa 9 bis 10 Jahre alt sein und zählt zu den weiteren Sorgenkindern dieses Bestands. Die sehr freundliche Stute hat mittlere Ataxie. Woher kann man hier nicht feststellen. Sie fällt bei “Toben” hin und wieder um. Sobald etwas in ihrer Umgebung verändert wird, zittert sie sehr stark. Auch rückwärtsgehen ist nur sehr eingeschränkt möglich. Bei der Hufpflege hat sie Probleme, das jeweilige Bein längere Zeit hoch zu halten,  aber sie kann es und versucht es auch. Sie braucht  keine Medikamente. Sie kann ganz normal innerhalb einer Gruppe gehalten werden, wenn keine “Rüpel” dazwischen sind.

Dinara
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Die jetzt etwa fünfjährige Schimmelstute zählte zu denen, die das Martyrium im Stall ihres Vorbesitzers noch mit am besten überstanden hat. Das Tier ist sehr umgänglich, sollte im Idealfall im Offenstall gehalten werden und ist inzwischen angeritten.

Riad Orissa
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Bei Orissa handelt es sich um eine Shagya-Araber-Stute, braun, die bereits als Zuchtstute eingetragen war und auch Fohlen gebracht hat. Die Stute ist 1991 geboren und war unter denen, die am meisten vernachlässigt gewesen sind. Nur noch Haut und Knochen und mit überlangen Hufen kam sie in ihre Pflegestelle. Der Gutachter hatte sie unmittelbar nach der Beschlagnahmung als „apathisch“ beschrieben. Das ist die Stute schon längst nicht mehr. Immer ausgesprochen liebenswert, hat sie deutlich zugelegt, auch ihre Hufe sind natürlich inzwischen wieder in Ordnung. Der Umgang mit ihr ist völlig problemlos, auch beim Schmied oder Tierarzt. Orissa ist ein „altes“ Pferd, aber eines, das sichtlich gerne lebt und viel Spaß an der Bewegung im Freien hat. Aufgrund ihres Alters ist sie aber nur noch als Beistellpferd, bestenfalls für kleinere Spazierritte, einzusetzen. Lady April, ebenfalls eine Stute aus diesem Bestand, ist ihre beste Freundin. Es wäre ideal, wenn beide Pferde zusammen vermittelt werden könnten.

Sympathie
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Die jetzt etwa zwölfjährige Schimmelstute wurde als „gesundes, geringgradig abgemagertes und ungepflegtes Tier“ eingestuft. Heute ist auch Sympathie wieder in einem ordentlichen Ernährungszustand und sucht nun ebenfalls ein neues Zuhause.

Nadeshnaja
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Sie ist eine AV-Schimmelstute aus russischen Linien, die vor zwei Jahren ebenfalls kurz vor dem Hungertod gestanden war. Bei ihr wurde bereits eine „generalisierte Muskelatropie“ festgestellt. Die Stute ist inzwischen wieder aufgefüttert, aber wohl aufgrund ihrer schlechten Haltungsbedingungen in der Vergangenheit webt sie. Idealerweise sollte dieses Pferd in einer Offenstallhaltung untergebracht werden.

Natron
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Der braune Hengst dürfte etwa 20 Jahre alt sein. Er war ebenfalls unter denen, die durch die schlechte Haltung dem Tode nah gewesen ist. Bei Natron stellte der Gutachter bereits einen Zustand in „Richtung Kachexie“ und eine generalisierte Muskelatrophie fest. Aber auch Natron hat eine gute Zukunft verdient und ist zu einem durchaus umgänglichen Pferd geworden, das nun einen guten und endgültigen Platz sucht, wo er den Rest seines Lebens behütet verbringen kann.

Smaragd
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Der etwa 17-jährige Schimmelhengst war ebenfalls hochgradig abgemagert und hatte laut Gutachten eine Hufrehe hinter sich. Aber auch Smaragd hat dankbar sein Futter und die Pflege angenommen und sich gut wieder erholt. Ein Hüftschaden wird ihm allerdings lebenslänglich bleiben. Er kommt ohne Medikamente aus, wird aber aufgrund seiner Verletzung nur noch als Beistellpferd gehalten werden können.

Takira

Die etwa 17-jährige Schimmelstute wurde in gesundem, aber abgemagerten und ungepflegten Zustand vorgefunden. Trotzdem gilt sie als eines der echten Sorgenkinder dieses Tierschutzfalls. Sie ist herdenverträglich und muss draußen stehen. In der Box kann sie nicht gehalten werden. Sie rennt Kreise, reagiert panisch und lässt sich nicht anfassen. Takira ist zudem leider dämpfig. Sie bekommt regelmäßig Sputolysin und täglich Hustenbonbons. Gefüttert wird sie mit Heulage, da sich ihr Zustand bei Heufütterung  verschlechtert. Sie ist nicht reitbar, aber halfterführig. Man kann sie putzen, muss sich aber beeilen, da sie schnell unruhig wird. Der Hufschmied kann die Vorderbeine problemlos bearbeiten. Bei den Hinterbeinen schlägt sie ohne leichte Sedierung oder Nasenbremse aus. Hinterhufe auskratzen ist nur mit sehr viel Geduld machbar. Anfangs war Takira sehr menschenscheu und ängstlich. Mittlerweile kommt sie auf Zuruf und holt sich ihre Streicheleinheiten ab. Bodenarbeit macht sie super mit. Sie ist sehr gelehrig, hat allerdings Schwierigkeiten mit dem Alleinsein. Ist ein zweites Pferd in der Nähe, geht alles leichter.

Nitrat
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Nitrat ist ein jetzt vermutlich zehnjähriger Braunschimmel, der bei der Beschlagnahme zu denen gehörte, die noch mit im „besten“ Zustand waren. Der nicht besonders große Hengst ist aufgeweckt und liebenswert. Er ist halfterführig und gut umgänglich.

Picasso
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Der Vollblutaraber aus russischen Linien ist 2001 geboren, Schimmel und Wallach. Auch er war hochgradig abgemagert und ungepflegt. Leider webt Picasso, sollte also nach Möglichkeit in einem Offenstall gehalten werden. Der Gutachter hat bei Picasso zudem ein Vorhofflimmern festgestellt. Er kommt zwar ohne Medikamente aus und ist ohne weiteren Aufwand zu halten, allerdings wird nur ein Platz als Beistellpferd für ihn in Frage kommen.

Lady April
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Die 1994 geborene Schimmelstute Lady April hat einen Shagya-Brand und hatte auch schon Fohlen im VZAP. Lady Aprils Hufe waren bei der Sicherstellung der Pferde so lang, dass sie sich bereits schnabelförmig nach oben bogen. Auch diese Stute hat eine chronische Hufrehe, die aber mit regelmäßiger Schmerzmittelgabe (Eqipalazone) gut im Griff ist. Ein Spezialbeschlag wird nicht benötigt. Lady April hat sichtlich Lebensfreude, bewegt sich gern und ist in der Haltung völlig problemlos, auch beim Schmied und Tierarzt. Die Stute hat mehrere sichtbare kleinere Melanome, die aber bis dato vollkommen unauffällig sind und keiner besonderen Pflege bedürfen. Kleinere Spazierritte sind mit diesem Pferd sicher noch möglich. Riad Orissa, ebenfalls eine Stute aus diesem Bestand, ist ihre beste Freundin. Es wäre ideal, wenn beide Pferde zusammen vermittelt werden könnten.

Tara
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Tara dürfte jetzt etwa fünf Jahre alt sein und kannte nichts, als sie zu ihrer Pflegestelle kam.  Tara lernt schnell und ist sehr selbstbewusst. Das bedeutet, sie “fragt nach”,  ob der Mensch auch meint, was er sagt. Im Umgang ist sie sonst ein Schatz,  aber die Hinterhufe sind eine Problemzone.
Sie mag sie nicht geben und stillhalten zum säubern oder bearbeiten ist nicht ganz einfach. Im ersten Sommer hat sich bei Tara ein sehr starkes Sommer-Ekzem entwickelt. Sie trägt deshalb in der warmen Jahreszeit  eine Ekzemer-Decke und wird mit Kortisonsalbe behandelt. Damit lässt sich das Ekzem ganz gut im Griff halten. Tara wurde inzwischen mit Bodenarbeit bekanntgemacht. Auch Sattel und Trense kennt sie bereits  und wurde damit longiert.

Niara
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Die Stute hat einen Shagya-Brand und ist 1993 geboren. Niara ist gesund, klebt aber an ihrer (Pflege?) Tochter Etüde, die ebenfalls ein neues Zuhause benötigt. Es wäre ideal, wenn die beiden Pferde zusammen vermittelt werden könnten. Niara ist eine freundliche und durchaus umgängliche Stute. Sie hat jedoch einen sehr starken Freiheitsdrang und wird sehr lebendig, wenn sie sieht, dass die ersten Pferde auf die Koppeln gehen.  Niara ist  im Herdenverband freundlich zu anderen Pferden und auch sehr geduldig mit jungen Pferden. Niara lässt sich gut am Halfter führen, gibt beim Schmied artig die Hufe. Niara ist mit ihren 21 Jahren sehr fit und man merkt der Stute ihr Alter nicht an. Niara ist sehr eng verbunden mit Etüde. Wenn irgend möglich wäre es schön, die beiden könnten auch weiterhin zusammen in einem Stall stehen.

Etüde
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Die Braunschimmelstute Etüde ist etwa vier Jahre alt. Auch Etüde ist eine gesunde, vitale Stute, die allerdings zuweiln  ihren eigenen Kopf hat. Obwohl Etüde offenbar nichts kannte und nichts konnte, als sie in ihrer Pflegestelle ankam, lässt sie sich überall anfassen, gibt die Hufe und lässt sich auch gut impfen. Sie lässt sich gut aufhalftern und meistens lässt sie sich auch  führen. Sie ist etwas misstrauisch Fremden gegenüber und  reagiert sofort, wenn Tierarzt, Schmied oder Besucher da sind, ist aber nicht unfreundlich. Sie beißt und schlägt nicht. Wenn Etüde aber nicht will,  besteht Diskussionsbedarf. Sie stellt sich dann hin und bewegt sich nicht vom Fleck. Etüde ist sehr an der Stute Niara orientiert und klebt an ihr. Wenn irgendwie möglich, wäre eine gemeinsame Vermittlung mit Niara wünschenswert.

Nemo
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Nemo ist ein brauner Hengstjährling, den die Stute Niara im Sommer 2013 zur Welt gebracht hat. Der Vater ist unbekannt.  Bei seiner Geburt war Nemo ein  winziges und schwaches Fohlen, das leider schon in seinem ersten Lebenshalbjahr eine Kolik-OP überstehen musste. Im Sommer 2014 machte Nemo dann aber  einen erheblichen Wachstumsschub.  Nemoist ein freundliches Pferd. Beim Schmied benimmt er sich meistens gut. Auch in der Herde verhält er sich wie ein ganz normales junges Pferd, spielt viel mit Etüde ) und zwei  anderen jungen Pferden. Altersgemäß interessiert er sich allerdings auch ab und zu schon für rossige Stuten. Nemo hat  keine Unarten Mensch und Tier gegenüber.

Nadem
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Nadem, ein brauner Hengst,  ist ebenfalls einige Monate nach der Beschlagnahmung im Sommer 2013 zur Welt gekommen. Nadems aktueller Gesundheitszustand ist sehr gut. Nach einer  Darm-OP gleich nach der Geburt traten keine Beschwerden mehr auf. Er verträgt Heu und Heulage und frisst beides sehr gerne. Nadem hat keine besondere Verhaltensauffälligkeit, außer dass  er manchmal ein altersbedingtes “Autoritätsproblem” hat.  Er ist halfterführig, kennt das Fohlen-ABC und ist schmiedefromm. Er kommt gerne auf Zuruf und holt sich Kuscheleinheiten ab. Auch in den Wachstumsphasen sieht er nie unförmig aus und er wird mal ein sehr hübsches Pony.